Enterbung und Pflichtteilsentziehung

 

von Rechtsanwalt und Notar Jens Wahl, Limburg

 

Der verwitwete Herr E. will seine Tochter als Alleinerbin einsetzen, die ihn betreut und pflegt. Sein Sohn hat schon vor langer Zeit jeden Kontakt zu ihm abgebrochen und meldet sich überhaupt nicht mehr. Der Sohn soll daher gar nichts von dem Erbe erhalten.

 

Nach gesetzlicher Erbfolge wird Herr E. von seinen beiden Kindern zu gleichen Teilen beerbt. Setzt er in einem Testament seine Tochter als Alleinerbin ein, kann sein Sohn dennoch den Pflichtteil verlangen.

 

Häufig möchte der Erblasser jedoch auch den Pflichtteil entziehen. Dies ist nur in seltenen Ausnahmefällen zulässig - z.B. dann, wenn ein Kind

 

 

Der Begünstigte trägt die Beweislast. Dies kann dazu führen, dass z.B. die Erben, die nicht dabei waren, Jahre später beweisen müssen, dass der Erblasser misshandelt wurde. Zudem wird derjenige, dessen Pflichtteil entzogen wurde, womöglich behaupten, der Erblasser habe ihm verziehen, womit die Entziehung unwirksam wäre.

 

Auch ein "ehrloser und unsittlicher Lebenswandel" ist schwer greifbar, zumal Moralvorstellungen starken Wandlungen unterliegen.

 

Das im Beispielfall geschilderte Verhalten alleine reicht im Einzelfall nicht für die Pflichtteilsentziehung.

 

In jedem Fall müssen die Entziehungsgründe in dem Testament genau genannt werden. Der Vorfall ist mit möglichst genauen Angaben zu schildern. Im Einzelfall kommt eine gerichtliche Feststellung schon zu Lebzeiten in Betracht.

Außerdem bestehen legale Möglichkeiten zur Vermeidung oder Verminderung von Pflichtteilsansprüchen.

 

Eine rechtzeitige Beratung schon zu Lebzeiten kann viel Ärger und unnötige Rechtsstreitigkeiten vermeiden.